Vita

Die Schweizer Regisseurin Nina Russi hat sich dem Musiktheater und Opernbetrieb genauso verschrieben wie spartenübergreifenden Projekten. Sie ist Trägerin des Götz-Friedrich-Preises 2019, der von der Deutschen Opernkonferenz verliehen wird.

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Die Regisseurin Nina Russi spürt in Musiktheaterwerken existentielle und aktuelle Themen auf und beleuchtet die traditionsbeladenen Erzählstrukturen konsequent aus der weiblichen Perspektive. Ihre Regiearbeiten zeichnen sich durch psychologisch ausdifferenzierte Figurenzeichnungen sowie durch energiegeladene und starke visuelle Umsetzungen aus. Ihr Interesse liegt dabei im Sezieren komplexer individueller Verhaltensmuster und gesellschaftlicher Konstellationen – immer mit dem Ziel, Geschichten zu erzählen, die zu den Menschen von heute sprechen.

Das Regiedebüt von Nina Russi erfolgte 2012/2013 am Opernhaus Zürich mit dem Abschlussabend Il faut s’aimer des Internationalen Opernstudios, einer szenischen Collage zu Mozarts Frühwerk La finta semplice. Bei den Salzburger Festspielen realisierte sie Mendelssohns Sommernachtstraum sowie Mozarts Zauberflöte als Mitspielopern. Zur Spielzeiteröffnung 2014/2015 folgte auf der Studiobühne des Opernhauses Zürich die erfolgreiche Inszenierung der zeitgenössischen Kinderoper Die Gänsemagd der Berliner Komponistin Iris ter Schiphorst. Es folgten Regiearbeiten am Theater Winterthur und am Konzert Theater Bern, wo sie die Uraufführung der Familienoper Reise nach Tripiti auf die Bühne brachte. 2016/2017 kehrte sie mit der zeitgenössischen Oper Gold! von Leonard Evers ans Opernhaus Zürich zurück.
Eine weitherum beachtete Uraufführung folgte in der Spielzeit 2017/2018, ebenfalls am Opernhaus Zürich mit der Kammeroper Der Traum von Dir des Schweizer Komponisten Xavier Dayer nach der Novelle «Brief einer Unbekannten» von Stefan Zweig. Ein Herzensprojekt der Regisseurin ist Musik im Rausch, ein aussergewöhnlicher Konzertzyklus der Violinistin Deborah Marchetti, der klassische Musik in Verbindung mit anderen Kunstformen in unkonventionelle Räume bringt.

Zum Jubiläumsjahr 2018/2019 von Leonard Bernstein inszenierte Nina Russi am Theater Aachen einen von Publikum und Presse gleichermassen gefeierten Doppelabend mit seinen Opernwerken A Quiet Place und Trouble in Tahiti. Es folgte am Opernhaus Zürich eine halbszenische Aufführung von Bellinis La Sonnambula.
Die Schweizer Erstaufführung der Fantasy-Oper Coraline des britischen Komponisten Mark-Anthony Turnage wird im November 2019 auf der großen Bühne am Opernhaus Zürich ihre Premiere feiern.

Stipendien
Nina Russi war Stipendiatin verschiedener internationaler Regieprogramme: International Summer Arts Program in Watermill, New York, unter der künstlerischen Leitung von Robert Wilson (2008); Europäische Akademie für Musik & Darstellende Kunst in Montepulciano bei Prof. Dr. Michael Hampe (2011); Directors Lab am Lincoln Theater Center, New York (2012); Internationales Forum beim Berliner Theatertreffen (2014); Stipendiatin der Bayreuther Festspiele durch die Schweizerische Richard Wagner-Gesellschaft (2016). Die Residency for a Stage Director der enoa Institution (European Network of Opera Academies) brachte sie ans Teatr Wielki Warschau (Polish National Opera), unter der künstlerischen Leitung von Mariusz Trelinski, sowie ans Festival D’Aix-en-Provence, dort war Bernard Foccroulle war ihr Mentor (2018). Im Sommer 2019 war Nina Russi Teilnehmerin des Woman Opera Makers Workshop beim Festival d’Aix-en-Provence, geleitet von der britischen Regisseurin Katie Mitchell.

Preise und Wettbewerbe
Nina Russi ist Trägerin des Götz-Friedrich-Preises 2019, verliehen durch die Deutsche Opernkonferenz. In der Spielzeit 2018/2019 erhielt sie einen Förderbeitrag Theater des Aargauer Kuratoriums (Schweiz). Zurzeit ist sie im Semifinale des RING AWARD 20 in Graz/ Steiermark.

Spielleitung
Seit der Spielzeit 2007/2008 ist Nina Russi Spielleiterin und Regieassistentin am Opernhaus Zürich. In über 30 Neuinszenierungen arbeitete sie mit Regisseuren zusammen wie Calixto Bieito, Robert Carsen, Robert Wilson, Hans Neuenfels, Harry Kupfer, David Pountney, Graham Vick, Andreas Homoki, Matthias Hartmann, Sven-Eric Bechtolf, Jens-Daniel Herzog, Grischa Asagaroff, Tatjana Gürbaca und Barrie Kosky.

Weitere Zusammenarbeiten mit den Regisseuren Peter Mussbach, Sebastian Baumgarten, Laurent Pelly und Marco Arturo Marelli führten sie an die Opernhäuser in Dresden, Berlin, Hamburg und Wien. An der Seite von Oscar-Preisträger Maximilian Schell betreute sie die Operette Wiener Blut bei den Seefestspielen Mörbisch.

Bei verschiedenen Opern- und Musicalproduktionen stand Nina Russi selber als Darstellerin auf der Bühne, beispielsweise in Helmut Baumanns Victor/Victoria am Bremer Theater sowie in David Pountneys Ballo in Maschera und als junge Norma in der legendären Norma von Robert Wilson am Opernhaus Zürich.

Nina Russi als junge Norma am Opernhaus Zürich, Inszenierung: Robert Wilson, © Susanne Schwiertz